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09.10.2013 08:14 Alter: 4 yrs

Journalisteninnen und Journalisten protestieren in Essen und Bielefeld

Arbeit ist keine Glückssache!


WarnstreikBielefeld_DJV-NRW © Tobias_Nehls

Was hat die Bezahlung von Tageszeitungsredakteuren mit Glücksspiel zu tun? Eigentlich nichts. Wären da nicht die Verleger, mit denen DJV und dju in ver.di derzeit über ein neues Tarifwerk verhandeln. Sie wünschen sich ein Gehaltsmodell, das an die Kaufkraft der Region gekoppelt ist. Ein abenteuerliches Angebot: unterschiedliche Bezahlung von der Nordsee bis zu den Alpen…

Arbeit ist aber keine Glückssache: Das haben heute weit über 100 Journalistinnen und Journalisten in Essen und Bielefeld demonstriert. Sie bauten in beiden Innenstädten das Tarif-Glücksrad auf und luden Passanten ein, daran zu drehen. „Wie sich das anfühlt, wenn man so etwas aufgetischt bekommt, können Sie bei uns erleben“, ermunterte Uwe Tonscheidt, stellvertretender Vorsitzender des DJV-NRW, die Tageszeitungsleser in Essen. „Probieren sie es aus – mit steigenden Preisen ist ihr Nullrunden-Einkommen immer weniger wert.“

Viele Essener sind stehen geblieben und haben gestaunt, wer alles mit einer Nullrunde zu rechnen hat. Fast immer kam das Glücksrad auf Feldern wie Nada, Null, Nix oder Nööö zum Halt. „Das ist nicht richtig“, lautete die einhellige Meinung – und manch einer reagierte so: „Wie? Da gibt's überall nix?“

Warnstreik in Bielefeld

Auf dem Jahnplatz in Bielefeld machten betroffene Tageszeitungsredakteure aus der Region Ostwestfalen-Lippe (OWL) ihrem Unmut Luft. Auch sie würden bei dem Regional-Modell der Verleger leer ausgehen und trotz steigender Arbeitsbelastung nicht einen Cent mehr bekommen.

„Redaktionen sind kein Jahrmarkt, und ein Glücksrad gehört auf die Kirmes, aber nicht ins Arbeitsleben“, betonte die Geschäftsführerin des DJV-NRW, Dr. Anja Zimmer. Gemeinsam mit den vielen Kolleginnen und Kollegen sprach sie sich einen Tag vor der nächsten Verhandlungsrunde in Berlin deutlich gegen das Verleger-Glücksspiel mit dem Gehaltstarifvertrag aus. „Journalismus ist mehr wert! Die Arbeit von festangestellten und freien Mitarbeitern an Tageszeitungen ist mehr wert!“

Vom Zeitungsverlegerverband NRW forderten die Protestierenden, dass er sich im Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV) seiner Verantwortung stellt und sich deutlich zum Flächentarifvertrag bekennt.

„Prekäre Arbeit ist keine stabile Basis für verlässliche Inhalte.“ Diese Worte von Bundespräsident Joachim Gauck – gehalten auf der BDZV-Jahrestagung Mitte September in Dresden – bringt es für die Journalistinnen und Journalisten aus OWL und dem Ruhrgebiet auf den Punkt. Auf dem Weg zum gemeinsamen Erfolg wollen sie, wie Gauck es nannte, von den Verlegern als „Verbündete“ gesehen werden.