25.02.2013 16:43 Alter: 5 yrs

Köche entlassen, um Restaurants zu retten

DJV tagt in Bielefeld / Vorstand bestätigt / Mitgliederschwund durch Berufsaufgabe


Für 40 Jahre Mitgliedschaft im DJV werden noch Wolfgang Sprentzel und Hans Zimera (v.l.n.r): Cristian Tobias Nehls, Frauke Brauns, Susanne Lahr und Christian Schlichter.

Vorstandstisch, von links: Frank Stach, Alexander Kröger, Christian Tobias Nehls, Wilfried Burmann

Bielefeld/Paderborn/Minden Die Situation im Journalismus verändert sich derzeit gewaltig. Viele Aktionen von Zeitungsverlegern sorgen dafür, dass der Beruf an Attraktivität verliert. Die jüngste Schließung aller Redaktionen einer ganzen Zeitung, wie bei der Westfälischen Rundschau oder der Frankfurter Rundschau geschehen, gebe nur ein Beispiel dafür ab, dass der früher so beliebte Journalisten-Beruf seine Strahlkraft bei Neueinsteigern verloren habe. Dieses Fazit zogen gleich mehrere Redner bei der jüngsten Jahresversammlung des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) in Bielefeld. Bestens belegt wurde dieser Trend durch die Mitgliederzahlen: Waren in Ostwestfalen und Lippe 2012 noch 541 Mitglieder in der Journalisten Gewerkschaft organisiert, so sind es seit Jahresbeginn nur noch 519. „Da sind nicht aktive Mitglieder ausgetreten“, begründete Schriftführer Alexander Kröger diesen Rückgang. Dass die Journalisten an Zahl verloren hätten, sei einerseits durch Pensionierungen, andererseits aber zum überwiegenden Teil durch Berufsaufgaben begründet. „Da haben Kollegen den Job wechseln müssen, weil sie ihr Geld nicht mehr mit dem Journalismus verdienen können.“

Genau an dieser Stelle müsse der DJV ansetzen, betonte deshalb auch Christian Tobias Nehls, zweiter Vorsitzender des DJV Ortsvereines OWL. Er leitete durch die Versammlung mit Neuwahlen des Vorstandes und Ehrungen an Stelle der verhinderten Vorsitzenden Norma Langohr. Er sah „dunkle Wolken am Publizistenhimmel“. „Ich persönlich frage mich da, was ist da los?“, formulierte Nehls. Redaktionen zu schließen, um Verlage zu retten, das komme ihm so vor, wie Köche zu entlassen, um Restaurants zu retten! Doch in der Öffentlichkeit würden diese großen Redaktionsschließungen kaum diskutiert. Da gehe es vielmehr um Fälle wie Amazon oder Pferdefleisch. „Sind die Menschen denn nicht mehr an Nachrichten interessiert?“, fragte der Bielefelder Journalist. Die Bedrohung journalistischer Vielfalt und Qualität werde von den eigenen Kollegen oft nicht zum Thema gemacht. Der DJV müsse deshalb an dieser Stelle nicht nur auf die Qualität von Journalismus achten, „sondern auch darauf, dass Menschen auch davon leben können“, so Nehls in seinem Jahresbericht, in dem er einen engagierten Blick auf die Medien der Region warf.

Wichtiges Ziel für die Journalistengewerkschaft sei es dann auch, ihre Kampagnenfähigkeit zu behalten, betonte Landesvorstandsmitglied Frank Stach. Nur durch große Protestaktionen wie den Streiks in 2011 seien die Tarfiverhandlungen weitergekommen, erinnerte er. Mit zwei großen Veranstaltungen habe der DJV ganz aktuell auf die Redaktionsschließungen mit künftig 120 Redakteuren ohne Arbeit im Ruhrgebiet reagiert und im Protest die Öffentlichkeit informiert. Stach stellte sich in OWL seinen Kollegen vor, weil er Ende April in Düsseldorf auf dem Landesgewerkschaftstag um den Vorsitz des DJV in NRW und somit um die Nachfolge von Helmut Dahlmann kandidiert.

Turnusgemäß wählten die ostwestfälischen Journalisten einen neuen Vorstand. Dabei wurden Vorsitzende Norma Langohr, ihr Stellvertreter Christian Tobias Nehls, Schatzmeister Wilfried Burmann sowie Schriftführer Alexander Kröger einstimmig in ihren Ämtern bestätigt. Ebenfalls ohne Gegenstimme bestätigt wurden die Beisitzer Wolfgang Becker (Lippische Landeszeitung), Oliver Plöger (Mindener Tageblatt, Vlothoer Anzeiger), Christian Schlichter (Freier Journalist, Paderborn), Bernd Steinbacher (Westfalen Blatt) und Elke Wemhöner (Johanneswerk, Bielefeld). Für die ausscheidenden Thomas Kopsieker und Andrea Rose wurden Jan Gesthuizen (Zeitschriftenredakteur, Bielefelder Verlag) und Susanne Lahr (Neue Westfälische) neu gewählt.

Im Anschluß an die Regularien wurden die Ehrungen vorgenommen. Für 40 Jahre Mitgliedschaft im DJV werden noch Wolfgang Sprentzel und Hans Zimera ausgezeichnet. Direkt vor Ort erhielten die silberne DJV Ehrennadel für 25 Jahre Gewerkschaftsarbeit bereits Frauke Brauns aus Spenge, Susanne Lahr aus Oerlinghausen und Christian Schlichter aus Paderborn.